Unterhalb von Mieders wohnte in dem uralten Badehaus vor vielen, vielen Jahren ein böses Weib, das seinen Mann durch einen lasterhaften Lebenswandel dermaßen kränkte, dass er bald aus Gram starb. Sie trieb es nun aber nur noch ärger.
Überall war sie als Hexe verschrien und gefürchtet, weil sie bei den Bauern und dem Vieh in den Ställen viel Bosheit trieb und großen Schaden anrichtete. Fünf weitere Weiber ihres Schlages schlossen sich ihr an und sie trieben nun gemeinsam ihr Unwesen. Unweit der Galtalm, oberhalb von Froneben, wurden sie von den Galthirten öfter gesehen wie sie Tänze aufführten. Das Treiben ging so weit, dass sie sogar mit dem Teufel ein Bündniss schlossen.
Die Weiber verstörten das Vieh und kochten furchtbare Unwetter, sodass der Schlicker Bach Hab und Gut zerstörte. Nun wandten sich die Miederer an die Geistlichkeit. Nach peinlichem Verhör gestanden die fünf Anhängerinnen ihr Treiben und schworen ihrer Anführerin ab. Die Hexe trieb ihr Unwesen aber noch fünf weitere Jahre, bis ihr die Stunde schlug.
Es war an einem herrlichen Junitag, als plötzlich aus dem blauen Himmel ein fürchterliches Donnerwetter mit verheerenden Muren über die armen Dörfer Mieders, Telfes und Fulpmes niederging. Am nächsten Tag wollte man die Hexe festnehmen, denn man war überzeugt, dass sie es war, die das ganze Unglück über die Menschen gebracht hatte;
doch sie war nirgends zu finden.
In der Nähe des Hexenbodens unweit der Galtalm hörte man Tage später nach einem Blitzschlag einen furchtbaren Schrei und anschließend lautes Stöhnen. Die Hirten von der Galtalm gingen dem unheimlichen Stöhnen nach. Als sie zum Hexenboden kamen, sahen sie die Miederer Hexe in Stücke gerissen. Sie eilten ins Dorf und meldeten es.
Die Gemeinde lies nun die Leichenteile auf einen Haufen zusammentragen und verbrennen. Aus den Flammen aber erhob sich ein Heulen, das im ganzen Tal zu hören war und jeden mit Grauen erfüllte.
Zum Dank, dass der Himmel die Leute im Stubai von dieser Hexe erlöst hatte, wurde am Joch über dem Hexenboden ein Kreuz aufgestellt und mahnt noch heute an die damaligen Ereignisse.
Eure Babsi